TEDXZürich 2011- Ein Rückblick

 

Die 500 Menschen, die sich an einem kalten Dienstag morgen Anfang Oktober in ein Fernsehstudio in Zürich Leutschenbach begaben, lockte etwas anderes als eine Quizshow und der Waschvollautomat als Hauptpreis: Es ging um etwas, was länger hält: Bildung und Information aus verschiedensten Fachgebieten, populärwissenschaftlich aufbereitet. Auf unterhaltsame Weise wurde am 4.10. in Zürich das TED Akronym “Technology, Entertainment, Design” in 20 kurzen Vorträgen unter die Besucher gebracht. Wir hatten das Privileg Sponsor dieser tollen Veranstaltung zu sein und wollen deswegen hier ein paar unserer Eindrücke mit euch teilen.

Die Idee von TED klingt zunächst mal simpel: “Gedanken, die es wert sind, geteilt zu werden” sollen auf einer Veranstaltung unter diesem Motto weitergegeben werde. TEDx ist dabei der “kleine Bruder” der grossen TED-Konferenz in Kalifornien, die dort seit 1990 jährlich statt findet.
Ziel des TED-Gedanken ist nicht (nur) ein begeistert gebannt zuhörendes Publikum, sondern auch das, was es mit den Gedanken macht: Weiter diskutiert werden sollen sie, inspirieren und für Gespräche auch zwischen den Vorträgen sorgen. Das klappt deswegen so gut, weil sowohl die Vortragenden als auch die Zuhörer aus gänzlich unterschiedlichen Bereichen kommen. Naturwissenschaftler, Techniker, Künstler, Sportler, Unternehmer, Studenten: TEDx bringt alle möglichen Leute aller möglichen Altersstufen zusammen. Mit einem Konferenzbeitrag von 50 Franken ist die Teilnahme darüber hinaus auch erschwinglich für alle, die auf die TED selbst verzichten müssen.

Wenn jeder aus einer anderen fachlichen Richtung kommt, ist keine Gelegenheit, sich hinter Fachtermini und in tiefen theoretischen Diskussionen zu vestecken: Alle müssen ein wenig aufeinander zugehen um einander etwas vom anderen zu erfahren. Das unterscheidet die TEDx von Konferenzen anderer Art, die thematisch viel stärker eingeengt sind. Die TEDx ist der sprichwörtliche Blick über den Tellerrand: Wo sonst schon erfährt man in 20 Vorträgen a 15 Minuten konzentriert – und unterhaltsam- die Erkenntnisse einer Hirnforscherin, eines Ski-Unternehmers, eines Journalisten und eines Bergsteigers? Letzerer, Satyabrata Dam, vermochte uns am stärksten zu beeindrucken: Als ehemaliger U-Boot Kommandant der indischen Marine erklimmt er seit 2010 quasi “hauptberuflich” Berge (worüber er hier sehr anschaulich bloggt), reist von Land zu Land, hält Vorträge über seine Expeditionen und viel wichtiger: Klettert immer weiter. Eine seiner Lektionen: Der Berg lehrt dich sowohl Demut als auch Mut. Demut, weil du begreifst, wie unbedeutend und fragil der Mensch ist. Mut weil genau das jeden Moment wertvoll macht und dich davon abhalten sollte, ihn mit irgendetwas anderem zu verbringen als dem, was du wirklich willst.

Inspirationen, die dadurch wirken, dass die, die sie weitergeben, sie leben und dabei eben lieber eigene, neue Wege gehen als eingetretene Pfade: Das ist es, was die TEDx so speziell macht. Ganz in diesem Sinn wirkte auch der Vortrag von Benedikt Germanier: Der 44jährige Schweizer Unternehmer, der einen Job als Stratege der UBS in New York aufgab, um mit dem Rest seines Lebens damit zu verbringen, was ihn am meisten erfüllte: Ski, ihre perfekte Herstellung und sie in Leidenschaft für Qualität unter die Menschen zu bringen. Simple Prinzipien, reale Güter statt spekulative Gebilde als Hintergrund und Antrieb dessen, was man tut, die Rückkehr zum Konkreten: Germaniers Weg ist nicht weniger als das Mutmachen dazu, seine Lebenszeit damit zu füllen – und auch seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen – woran man glaubt und was einen mit Leidenschaft erfüllt statt halbherzig einem Job nachzugehen, in dem man im Grunde genommen die ganze Zeit nur daran denkt, wie lange man es noch aushalten muss. Germanie zeigt: Das Leben ist im Idealfall nichts, was ausgehalten werden muss sondern ein Weg, den man sich selbst gestalten kann.
Wer jetzt denkt, TEDx ist ein Ort erhabener Momente, hat nicht ganz unrecht, verpasst aber den mindestens so wichtigen “E” Teil von TED: Das Entertainment, die Unterhaltung. So gab es mit Elektropop von All Hands, Jojo Mayer and den Drums und den Klangexperimenten von Oy auch musikalische Atempausen um das Gehörte gehörig durchzuwirbeln.

Spätestens beim Apéro, oft aber auch in den Pausen zwischen dem dichtgedrängten Programm, bot sich dann den Besuchern die Gelegenheit, das , was sie gehört hatten, miteinander zu besprechen. Das taten sie dann auch eifrig. So verging ein ganzer Tag mit klugen, spannenden Unterhaltungen über die Grenzen von Altersgruppen und Interessensgebieten hinweg. Uns bleibt nur zu sagen: Danke, den Organisatoren von TEDxZürich, zu denen u.a. unser Kollege Hugo gehört, für einen tollen Job. Wir freuen uns auf nächstes Jahr. Und hoffen, euch da zu sehen.

 
 

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